September 1992- die Eröffnung der Linie B

Außerdem würde mich interessieren, an welchem Bahnsteig der Nahverkehr nach Pforzheim gehalten hat. Wenn am Gleis 4, wie wurde das dann mit dem Überweg gemacht?
Auf Gleis 4. Es gab eine fernbediente Schiebeschranke zwischen den Gleisen. Und ganz früher (tm) , vor dem Bau des Strassentunnels, konnte man den Bahnsteig auch von der Augustenburgstraße erreichen
Ergänzung: Luftbilder von 1968
 
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So groß war die Ferne auch nicht, aus der die Schiebeschranke bedient wurde - betätigt wurde sie vom Fdl Grötzingen mit direkter Blickverbindung.
 
ja ok, aber wie ist das denn betrieblich gelaufen? So wie heute in Durmersheim noch?
Also keine Zugfahrt auf den Gleisen 1,2 und 3, wenn auf Gleis 4 der N nach Pforzheim kam?

Wie wurden denn die Gleise 1 und 2 VOR der Stadtbahn genutzt?
 
...und auf dem zweiten Bild sieht man auch sehr schön die besagte Schiebeschranke, die der Fdl direkt im Blick hatte.
 
Beim Stadtarchiv gibt es ein Übersichtsfoto des Bahnhofs von 1980, und im speziellen noch eins von der Eröffnung des heutigen Stellwerks 1978 mit Blick auf das Stellpult. Gleis 1 und 2 waren damals also ausschließlich von/in Richtung Bretten nutzbar.
Ah ok, wenn ich die Stellwerkstafel richtig verstehe, konnte man von den Gleisen 1 und 2 Richtung Durlach ausfahren aber nicht Richtung Pforzheim, sondern nur Richtung Bretten.

Aber die Gleisverbindung Durlach Bahnhof (nicht Stadtbahn) - Grötzingen Gleis 1/2 gibt es heute nicht mehr, soweit ich weiß, oder?
 
Ja, die gibt es nicht mehr. Heute muß man von Durlach (DB) nach Grötzingen Gleis 3 fahren um weiter nach Bretten zu kommen. Zwischen Grötzingen und Durlach gibt es aber noch eine Überleitung zwischen den Pforzheimer Gleisen, so das man auch von Durlach Gleis 1 nach Bretten kommt.
Auf den Orthophotos von 1968 meint man, auch noch eine Gleisverbindung zwischen den Brettener Gleisen und den Pforzheimer Gleisen östlich des Bahnhofs in Höhe des Feindhag erkennen zu können.
 
Hallo allesamt,

ich habe noch ein Foto vom Bahnhof Grötzingen gefunden vor Aufnahme des Stadtbahnbetriebs und dennoch mit einer Stadtbahn. Es entstand anlässlich des 1000-jährigen Ortsjubiläums von Grötzingen, vermutlich am 30.6.1991. Damals wurden als Vorgeschmack auf den Stadtbahnbetrieb Pendelfahrten zwischen Hauptbahnhof und Grötzingen unternommen. Das Bild zeigt auf Gleis 1 die Pendel-Stadtbahn und auf Gleis 2 einen planmäßigen Triebwagen der DB.
groetzingen.jpg

Als kleinen Beifang meiner Suche möchte ich noch ein zweites Bild präsentieren. Es entstand ebenfalls im Juni 1991 und zeigt die Bauarbeiten an der Stadtbahnhaltestelle in Durlach. Auf der Brücke überquert gerade ein Stadtbahnwagen auf Linie 2 den Bahnhof. Auf Gleis 10 wartet eine Rangierabteilung, die gerade einen Güterwagen aus dem Bosch-Anschlussgleis abgezogen hat, auf Weiterfahrt. Leider wurde das Anschlussgleis vor einigen Jahren abgebaut und alle Transporte werden mit LKW abgewickelt. Ob das in Zeiten von Klimawandel eine wirklich kluge Entscheidung war? Historisch ist übrigens auch der Fotostandort, ein Fußgängersteg, der die Untermühlsiedlung mit Durlach verband.

durlach.jpg

Viele Grüße,

Wirbelstrom
 
Hallo allesamt,

ich hätte da auch noch einige Bilder und Erinnerungen anzubieten. Obwohl man seitens VBK&AVG ja schon einige Erfahrungen mit Streckeneröffnungen hatte, war die Stadtbahn nach Bretten doch etwas ganz besonderes. Es gab sogar eine Ausstellung im Stadtmuseum Bretten zur Kraichgaubahn aus diesem Anlass und recht große Feierlichkeiten.

Bild 1 zeigt den Eröffnungszug bestehend aus den Wagen 801, 802 und 804 bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Grötzingen am 25.9.2020, also auf den Tag genau vor 28 Jahren. Bis Grötzingen war Wagen 804 einzeln hinter den anderen hergefahren, in Grötzingen wurde dann gekuppelt. Es gab in Grötzingen auch Ansprachen der örtlichen politischen Vertreter, bevor der Eröffnungszug weiterfuhr. Die großen Feierlichkeiten waren dann in Bretten-Stadtmitte, mit landespolitischer Prominenz und Pipapo. Das Foto entstand übrigens von der damals noch bestehenden Laderampe des Bahnhofs (das Ladegleis existierte aber nicht mehr), die später beim Bau der Kirchstraßenunterführung beseitigt wurde.

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Am Eröffnungswochenende war - wie schon von anderen geschildert - allerhand los. Mit ein Bisschen Glück konnte man aber zumindest in den verkehrsschwachen Zeiten (z.B. am Samstag Vormittag) noch einen Platz ergattern. Bild 2 zeigt eine Doppeltraktion am 27.9. im Bahnhof Wössingen mit Ausfahrsignal im Vordergrund. Damals existierte im Bahnhof Wössingen noch ein mechanisches Stellwerk mit Formsignalen. Auch der Bahnübergang "Alte Straße" wurde noch per Kurbel bedient. Eigentlich hätte das Stellwerk bereits zur Eröffnung des Stadtbahnbetriebs durch ein neues Stellwerk ersetzt sein sollen, aber die Bundesbahn hatte sich zu lange Zeit mit der Bestellung desselben gelassen (oder hatte die Genehmigung zu lange gedauert?), so dass das Stellwerk erst einige Zeit später (eineinhalb Jahre, wenn ich mich nicht täusche) in Betrieb genommen werden konnte. Und an dem Stellwerk hing auch die Inbetriebnahme des Kreuzungsgleises in Jöhlingen, so dass vorerst nicht das volle Betriebprogramm gefahren werden konnte. Insbesondere mussten einige Regionalbahnen der DB den Umweg über Bruchsal nehmen. Das berüchtigte Pannenstellwerk in Jöhlingen stand also von vornherein unter keinem guten Stern.

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Bild 3 entstand am selben Tag im Bahnhof Wössingen. Es zeigt Wagen 803, der seinerzeit eine Versuchslackierung trug. Offensichtlich orientierte man sich am damals gültigen Lackierungsschema der DB und passte es farblich an die Karlsruher Verhältnisse an. Obwohl das gelb auf diesem Bild recht kräftig und ansehnlich aussieht (die Herbstsonne hat die Szene wohl vorteilhaft beleuchtet), wirkte der Wagen in dieser Lackierung meistens doch recht blass. Er fuhr einige Jahre in diesen Farben, bevor er schließlich wieder die normale Lackierung zurückbekam.

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Bereits von anderen angesprochen wurde der Mischverkehr zwischen Stadtbahnen und Regionalzügen der DB. Dies entsprach durchaus dem Grundgedanken des Karlsruher Modell und wurde ja auch nach Wörth, Pforzheim, Baden-Baden und Bruchsal so umgesetzt. Auch auf der Murgtalbahn war ein Mischverkehr geplant, bis die DB aus dem Projekt ausstieg, nachdem ihre Baureihe 425 selbst in der Ebene so große Bremsprobleme hatte, dass eine Steilstreckenzulassung quasi unmöglich wurde. Bild 4 aus dem Dezember 1992 dokumentiert diesen Mischverkehr. Es zeigt auf Gleis 2 einen gerade aus Karlsruhe eingetroffenen Stadtbahnwagen, der nach Umsetzen auf Gleis 1 (über den westlich des Bahnhofs angeordneten Gleiswechsel) 20 Minuten später wieder zurück in Richtung Innenstadt fahren wird (diese Züge wurden 1994 bis zur Oberausstraße (unterer Bahnsteig) verlängert). Auf Gleis 3 passiert ein 628er der DB den Bahnhof auf der Fahrt von Karlsruhe Hbf. Richtung Eppingen.

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Bild 5. Zum Abschluss noch ein Bild von dem Stadtbahnwagen in Grötzingen, der zwischen Karlsruhe Hbf. und Pforzheim Hbf. pendelte. Dieser Verkehr war im Juni 1991 mit den ersten vier Zweisystemern aufgenommen worden und ersetzte die Nahverkehrszüge, die zuvor mit Baureihe 141 und Silberlingen unterwegs waren. Diese Fahrten boten die Möglichkeit, die Wagen im 15 kV-Netz dauerzutesten und waren für die DB günstiger als ihre eigenen Züge (die restlichen Zweisystemer wurden bis September 1992 übrigens auf der Linie A eingesetzt). Für den geplanten Betrieb nach Bretten reichten 8 Fahrzeuge, man hatte 10. Da die Fahrzeuge sehr zuverlässig unterwegs waren, verplante man den 9. Wagen weiterhin zwischen Karlsruhe und Pforzheim. Womit man offensichtlich auch in der Tullastraße nicht gerechnet hatte war der enorme Zuspruch der Verbindung nach Bretten (Verfünffachung der Fahrgastzahlen innerhalb weniger Monate), so dass man den Fahrplan mehrfach verdichten musste und dazu die Fahrzeugkapazitäten voll ausschöpfte (d.h. man hatte einen Planauslauf von 10 Fahrzeugen bei 10 vorhandenen Exemplaren). Man verlagerte notwendige Wartungsarbeiten in die aufkommensschwachen Zeiten, um den Betrieb am Laufen zu halten. Und dennoch reichten die Kapazitäten vorne und hinten nicht aus, was dann ja auch zur Bestellung von 6 weiteren Stadtbahnwagen für die Strecke nach Bretten führte (Lieferung 1994/95 zusammen mit den 20 Wagen, die für die Strecke Wörth - Pforzheim bestimmt waren). Derweil pendelte der Stadtbahnwagen weiterhin nach Pforzheim, bis zum Sommerfahplan 1994 der Verkehr für ein Jahr wieder ausschließlich auf Silberlingen und Baureihe 141 umgestellt wurde (oft fuhr die Lok mit einem einzigen Wagen aber ohne Steuerwagen, so dass diese Betriebsweise vergleichsweise unwirtschaftlich gewesen sein muss).

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So viel für heute aus den Anfangstagen des Zweisystembetriebs - einer spannenden Zeit.

Viele Grüße,
Wirbelstrom
Naja,
man hat halt auch den Stelltisch in Jöhlingen eingespart, wenn es diesen gäbe, wäre es einfacher den Betrieb bei Störungen an der Fernsteuerung aufrecht zu erhalten, ein großer Fehler, wie man immer wieder feststellen muss.

Siehe auch gestern auf der Murgtalbahn:
Da es keine Möglichkeit mehr gibt ferngesteuerte ESTW örtlich zu besetzen, mussten oberhalb von Forbach alle Züge entfallen, da das Fernsteuerkabel durchtrennt war.
 
Der wurde wohl auch um 90° gedreht, der Stelltisch steht heutzutage so, dass der Fdl in Richtung Durlach schaut.
im Hintergrund eine E44, bzw. 144, vermutlich mit Eilzug (Personenzüge waren m.W. kürzer)
Übrigens gab es bezüglich der Linienführung der Linie B die Planung, von Bretten über Marktplatz und Europaplatz nach Wörth und weiter nach Germersheim zu fahren. Dann gab es die Idee, vorübergehend am Europaplatz über die Karlstraße zum Hauptbahnhof zu fahren. Dass man über die Ettlinger Straße fährt liegt wohl daran, dass diese für Doppelzüge ausgebaut war. Der Buchstabe C war für die Verbindung Rheinstetten - Blankenloch vorgesehen.
 
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