Ist Ettlingen nicht gerade erst wiederholt als eine der fahrradfreundlichsten Kleinstädte in ganz Baden-Württemberg ausgezeichnet worden?

Das ist schön meckern auf hohem Niveau.
Bei weitem ist in Ettlingen nicht alles perfekt, mich stören vor allem immer wieder plötzlich endende Radstreifen, aber insgesamt ist es wirklich im Vergleich überdurchschnittlich hinsichtlich Rad und ÖPNV....
Und in Richtung Schwarzwald kräht auch kein Hahn danach, ob ALLE Türen barrierefrei sind, oder sogar nur die ersten beiden.
Wenn das der Fall sein sollte, möchte ich gar nicht erst wissen, wie der Rest aussieht.
Natürlich gibt es ein paar sehr schöne Radwege, aber sobald der Straßenquerschnitt etwas enger wird und der Autoverkehr sagt „Nö, wir können hier nichts mehr abgeben, wir brauchen das alles selbst, dann geht der Radweg entweder in einen Fußweg, Fahrräder frei über, oder hört ganz auf.
Wo die Straßen breit genug für 2 Fahrspuren und 1-2 Parkstreifen sind und immer noch Platz übrig ist, da gibt es in Ettlingen auch schöne Radwege. Aber wenn ein UND nicht möglich ist und stattdessen das ODER im Raum steht, schlägt das Pendel stets in Richtung des Autoverkehrs zu Lasten des Radverkehrs aus.
Gleiches gilt beim ÖPNV: Ja, er ist gut. Aber wenn es zwischen Auto und ÖPNV Konflikte gibt, dann wird meist eher der ÖPNV so zurecht „optimiert“, bis das Problem verschwunden ist.
Es gibt genügend Bushaltestellen, die in keinster Weise barrierefrei sind, da ein barrierefreier Ausbau auf Kosten von Parkplätzen gehen würde. Oft ist es einfach nur ein Schild am Straßenrand.
Ein besonders bezeichnendes Beispiel hierfür ist die Haltestelle „Am Lindscharren“ im Bereich der Kaserne: Dort hat man auf den ~1m breiten Grünstreifen zwischen Einfahrt und Parkplätze einen Haltestellenmast gesetzt, die Parkplätze stehen natürlich auch senkrecht zur Fahrtrichtung.
Es wäre dort problemlos möglich, 3 Parkplätze zu streichen und stattdessen eine barrierefreie Bushaltestelle hinzusetzen, schließlich ist es
a) mit 6 Fahrten pro Stunde nicht gerade eine unwichtige Haltestelle
b) für die Stadt ohnehin verpflichtend, den ÖPNV barrierefrei auszubauen, und zwar hat dies eigentlich schon seit dem 1.1.2022 erledigt zu sein.
Wenigstens hat man eine Straße weiter die Haltestelle Huttenkreuzstraße barrierefrei ausgebaut.
Allerdings hat man dabei vergessen, dass die Busse dort ein paar Minuten Standzeit haben und die Busbucht im Rahmen des barrierefreien Ausbaus verschwunden ist.
Was passiert dort nun? Die Busse halten ~100 m vorher auf dem Radschutzstreifen an und warten dort die Standzeit ab.
Aber das scheint niemanden zu interessieren, betrifft ja nur die Radfahrer, die Autos kommen ja drum herum.
Ach so: Im Rahmen der aktuellen Haushaltsdebatte gibt es selbstverständlich mehrere Politiker, die eine „Optimierung“ des Busangebots fordern.
Unter der Überschrift des Haushaltsdefizits würde ich mal nicht von einer Optimierung im Sinne der Fahrgäste ausgehen.
Allerdings hat man selbstverständlich von keinem Politiker die Forderung gehört, dass die Haushaltslücke mal durch höhere Parkgebühren oder ein etwas strikteres Ordnungsamt ausgeglichen werden soll.
Kurzgesagt: Wenn die Autofahrer zufrieden sind und dann noch was übrig ist, dann ist der ÖPNV oder das Radnetz in Ettlingen gut. Aber wo immer es zu Konflikten kommt, wird in Ettlingen stets dem Willen der Autofahrer entsprochen und alle anderen können sich hinten anstellen.