So und hier noch ein ausführlicher Bericht im
Aktuellen Bericht des Saarländischen Rundfunks. Bevor ich wieder was falsches sage
@Citylink karlsruhe: Kannst Du mal interpretieren, was der Geschäftsführer von der Saarbahn ab 6:42 sagt "Wir haben jetzt die Zulassung für den innerstädtischen Verkehr, also ich sag' mal vereinfacht als Straßenbahn, und dann fehlen noch die beiden Eisenbahnzulassungen für das deutsche resp. dann noch als drittes das französische Netz" -> wobei das frz. Netz ja kein Netz, sondern nur eine Stichstrecke ist - denn nur zwischen der Landesgrenze und Sarreguemines ist eine Spannung am Fahrdraht, die unseren Zweisystemstraßenbahnen "schmeckt".
Hallo KBS635,
gerne. Man muss bei der Aussage des Geschäftsführers im SR-Bericht allerdings genau hinschauen: Eine echte, reguläre BOStrab-Plattformzulassung ist das aktuell nämlich noch gar nicht. Für eine vollwertige Serienzulassung nach BOStrab fehlen schlichtweg noch die Nachweise aller betrieblichen Funktionen. Und ohne die anstehenden Tests in Doppeltraktion gibt es rechtlich überhaupt keine richtige BOStrab-Zulassung, sondern eben nur befristete Ausnahmegenehmigungen der TAB für den reinen innerstädtischen Probebetrieb, damit das Fahrzeug überhaupt irgendwie im Netz rollen darf.
Die Saarbahn GmbH und Stadler hatten seit der InnoTrans zeitlich überhaupt keine Möglichkeit, Tests in Doppeltraktion durchzuführen. Die wenigen Fahrzeuge waren durch die Erprobungen in der Klimakammer und die jetzigen Messfahrten quer durch Deutschland komplett ausgelastet, um überhaupt erst einmal die nötigen Unterlagen für das EBA zu sammeln.
Die echten Eisenbahnzulassungen nach EBO für das DB-Netz und die französische Strecke stehen daher noch komplett aus. Ohne diese endgültigen Zulassungen – sowohl für die EBO als auch für die vollwertige BOStrab – läuft im regulären Umlandnetz erst einmal gar nichts.
Und genau deshalb sind die ganzen Diskussionen von Carlsruher zu einer fahrerlosen Zukunft (GoA 4) beim VDV-Citylink zum jetzigen Zeitpunkt theoretischer Natur. Bevor man über solche langfristigen Zukunftskonzepte nachdenkt, müssen die Fahrzeuge erst einmal im ganz normalen manuellen Regelbetrieb mängelfrei zugelassen sein.
Zumal das Vorhaben auf den Außenstrecken an einer ganz anderen, unüberwindbaren Mauer scheitert: Die AVG kann die Streckeninfrastruktur überhaupt nicht eigenmächtig umbauen. Die Stadt Karlsruhe und das Land Baden-Württemberg sind die Eigentümer und entscheiden allein über alle Finanzierungen. Wegen der aktuellen Haushaltskrise fließt für solche Experimente schlichtweg kein Geld. Zudem sind viele Zweisystem-Strecken nur gepachtet und gehören der DB InfraGO oder dem Land. Die AVG darf dort rechtlich keinerlei eigenmächtige Veränderungen an der Zugsicherung vornehmen. Ohne die DB und das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) geht gar nichts.
Man muss hier auch mal die Kirche im Dorf lassen: Der Personalmangel ist ein massives, bundesweites Problem der gesamten Branche. Kein einziges Verkehrsunternehmen in Deutschland oder EVU plant im öffentlichen Mischverkehr fahrerlose Systeme, um dieses Problem zu lösen. Solche GoA 4-Systeme sind ausschließlich für komplett isolierte, kreuzungsfreie U-Bahn-Netze konzipiert. Auf offenen Überlandstrecken und im städtischen Sichtfahrbetrieb ist das rechtlich, wirtschaftlich und technisch absolut unmöglich. Damit sollte das Thema fahrerlose Zukunft hier nun auch beendet sein und wir können uns wieder den eigentlichen Fahrzeugen widmen.
Viele Grüße
Citylink karlsruhe