Maulbronn - Zukunft der Bahn Artikel Mühlacker Tagblatt 16.09.2021

Mühlacker Tagblatt 16.09.2021
Weichenstellung für eigene Potenzialstudie steht bevor
Für die Stadt Maulbronn soll die Firma traffic Solutions tätig werden.

MAULBRONN. Mit Blick auf eine mögliche Reaktivierung des Maulbronner Stichgleises, das vom Bahnhof Maulbronn West in die Stadtmitte zum alten Bahnhof führt und derzeit nur zeitweise genutzt wird (wir berichteten), hat die Stadtverwaltung nun ein Büro ausgewählt, das im Auftrag der Kommune eine Potenzialstudie für die Strecke erarbeiten soll.
Bei einer ersten Analyse durch das Land war dem Gleis kaum Potenzial für einen regelmäßigen Zugverkehr bescheinigt worden.
Das Verkehrsministerium fördert die Wiederbelebung alter Bahnstrecken mit Potenzial finanziell in erheblichem Maße, um auf diese Weise die Mobilitätswende in Baden-Württemberg voranzubringen.
Maulbronn könnte Fördergelder bekommen, wenn eine detaillierte Analyse der Kommune neue Fakten hinsichtlich der zu erwartenden Nutzerzahlen liefert.
Dies hatte das Ministerium gegenüber der Stadtverwaltung auf deren Nachfrage zugesichert.
Nach dem Willen der Verwaltung soll die Firma traffic Solutions den Auftrag zur Erstellung der Potenzialanalyse zum Festpreis von 12240 Euro erhalten.
Die Kosten sollen im Haushalt 2021 außerplanmäßig bereit gestellt werden.
Das Büro traffic Solutions soll Besonderheiten wie künftig zu erwartende Entwicklungen von Wohngebieten, Schüler-, Pendler- und touristische Verkehre bei seiner Analyse berücksichtigen.
Am Mittwoch, 22. September, geht es ab 19 Uhr im Gemeinderat in der Stadthalle um die Auftragsvergabe.
md
 

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Mühlacker Tagblatt 24.12.2021
Stichgleis: „Die Zahlen deuten auf eine Perle hin"
Maulbronner Gemeinderat stellt Weichen für Machbarkeitsstudie.
MAULBRONN. Wie umstritten eine mögliche Wiederbelebung der alten Schienenstrecke ist, die von Maulbronn West ins Zentrum der Klosterstadt führt, hat sich bei der Gemeinderatssitzung am Mittwoch gezeigt, in der die neueste Potenzialanalyse für das Stichgleis offiziell vorgestellt wurde.
Gleich zu Beginn wollte ein Maulbronner, der eine Reaktivierung ablehnt, im Rahmen der Bürgerfragen unter anderem wissen: ob man die Potenzialanalyse von Fachleuten noch einmal überprüfen lassen werde, ob das Fachbüro Kontakt zum VCD gehabt oder teils auf dessen Daten zurückgegriffen habe und wie sich die Prognose verändere, wenn die Buslinie 700 parallel zu einem Angebot auf der Schiene weiterbestehen würde ?
Zum erwähnten VCD muss man wissen, dass sich der in Mühlacker lebende Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Matthias Lieb, seit lahren für eine Wiederbelebung der Strecke einsetzt und auch eine eigene Potenzialabschätzung erstellt hatte, die wie die neue Analyse ebenfalls über den vom Land für eine Reaktivierung festgelegten Schwellenwert von 500 potenziellen Fahrgästen pro Werktag gekommen war. Nur das Land selbst war in seiner Studie, die aber auch nur eine Grobanalyse war, unter dieser Marke geblieben (unsere Zeitung hat berichtet).
Ein Befürworter des Stichgleises meldete sich sichtlich verärgert über den Frageblock seines Vorredners zu Wort. Nach einem emotionalen Statement stellte er die Frage, ob man mit Ötisheim Kontakt aufnehmen könne, um durch eine Anbindung der Nachbargemeinde das Stichgleis noch attraktiver zu machen? Kritische Nachfragen gab es auch bei der an die Bürgerfragen anschließenden Diskussion im Gemeinderat, die die
Vertreter des Büros „traffic Solutions", das die jüngste Potenzialabschätzung erstellt hat, weitestgehend entschärfen konnten. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Stephan Kroll, hatte eine klare Botschaft. Er sagte mit Blick auf das geschätzte Fahrgastpotenzial von 980 Fahrgästen pro Werktag für das Jahr 2030: „Ich habe selten ein so klares Ergebnis gesehen. Das ist auch eine Chance für die Region, wenn man hier mit einem entsprechenden Betriebskonzept für eine Durchbindung nach Pforzheim sorgt."
Die Zahlen deuteten eindeutig auf eine Perle hin, nicht auf einen kleinen Ast, sagte er in Anspielung auf die 2,8 Schienenkilometer. Zum VCD habe es keine Kontakte gegeben. „Wir machen keine Gefälligkeitsgutachten", betonte Kroll.
Angesichts der Zahlen plädierte Bürgermeister Andreas Felchle für den nächsten logischen Schritt - der Beauftragung einer Machbarkeitsstudie. Die Potenzialanalyse selbst bedürfe keiner weiteren Überprüfung, da sie ja von Fachleuten erstellt worden sei.
Bei einer Enthaltung von Jörg Burkhardt (CDU) gab es ein einstimmiges Votum für eine Machbarkeitsstudie, deren Kosten vom Land zu 75 Prozent übernommen werden. Einhelliger Tenor im Rat: Bei einer möglichen Reaktivierung der Schienenstrecke dürften sich für die Menschen in den Stadtteilen Schmie und Zaisersweiher keine Verschlechterungen im ÖPNV - besonders im Busverkehr - ergeben. Genau diese und viele andere Themen werden Inhalt einer Machbarkeitsstudie sein, die ja erst im Detail prüft, ob eine Wiederbelebung des Gleises einen bezahlbaren Mehrwert für Maulbronn bringen könnte. Die Vorbereitungen für die Ausschreibungen der Studie sollen in den kommenden Wochen anlaufen. md
 

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