Die Schweiz hat es vor über einem halben Jahrhundert vorgemacht. Da fährt abgesehen von der Brienz-Rothorn-Bahn und der Dampfbahn Furka-Bergstrecke alles unter Draht. Werder die Schweiz noch Indien machen halbe Sachen mit Strominseln.
Dass in der Schweiz das gesamte Bahnnetz mit Ausnahme der Brienz-Rothorn-Bahn und der Dampfbahn Furka Bergstrecke elektrisch betrieben wird, wird zwar immer wieder gerne behauptet entspricht aber nicht der Realität. Die Bahnstrecke Staatsgrenze bei Rielasingen - Etzwilen war noch nie elektrifiziert, die Bahnstrecke Sursee - Triengen war auch nie elektrifziert, mehrere Industrieanschlüsse bei Zürich und bei Kleinhüningen und die Rangierbahnhöfe in Muttenz und Chiasso werden zum großen Teil nicht elektrisch befahren.
Zumal Indien etwa 80% des Stroms durch das verbrennen von Steinkohle "erzeugt", was sowohl beim abbau wie auch beim verbrennen sehr viel CO² erzeugt und extrem Umweltschädlich ist, von den Folgeschäden durch den Steinkohleabbau, der in Indien überwiegend im Tagebau erfolgt, ähnlich wie in Deutschland die Braunkohle reden wir lieber gar nicht. Dass bei der Steinkohlevertromung über 60% der enthaltenen Energie "sinnfrei" zum Schornstein rausgeblasen werden, bzw damit das Kühlwasser erwärmt wird und die Energie somit nicht genutzt wird kommt noch erschwerend hinzu. Die Atomkraftwerke, die in Indien fast 10% der Stromversorgung sicherstellen alles andere wie sicher sind nach Europäischen Maßstäben darf man auch nicht vergessen.
In der Schweiz wird der Strom überwiegend aus Wasserkraft erzeugt, dafür werden halt ganze Bergtäler geflutet mit Stauseen darin werden Almen und Dörfer versenkt, bzw vorher abgerissen und dadurch verändert sich die Alpenlandschaft ganz massiv und das nicht zum positiven.
Man stelle sich vor, in Deutschland würden Strecken wie Wörth-Neustadt, Hausach - Freudenstadt, Öhringen - Schwäbisch Hall Hessental ( das weit weg von Hessen liegt) oder Nürnberg - Hof elektrifiziert ohne ewig lang wegen der Kosten zu diskutieren.
Welchen Sinn macht eine durchgehende Elektrifizierung der Strecke Wörth - Neustadt, Hausach - Freudenstadt oder Öhringen - Hessental? Das sind Strecken die man ohne Probleme mit den heutigen Akkuzügen elektrisch befahren kann ohne die ganze Strecke elektrifizieren zu müssen.
Wobei es bei der Strecke Öhringen - Hessental eh ein Wunder ist, dass die Strecke noch nicht stillgelegt wurde, die Reisendennachfrage ist zum großen Teil sehr schlecht, ist aber auch logisch da die Hohenlohe sehr dünn besiedelt ist. In der Schweiz hätte man die Strecke ähnlich wie Biasca - Auquarosse im Blenio Tal oder St Urban - Melchnau oder Solothurn - Hezogenbuchsee schon längst stillgelegt, bzw würde wie bei der Chemins de fer du Jura oder bei der Strecke Le Locle - Les Brenets aktiv über eine Stilllegung mangels Wirtschaftlichkeit nachdenken.
Bei Nürnberg - Hof ist vor allem der Denkmalschutz der Tunnelportale und der Brücken im Pegnitztal ein Problem, weniger das Geld.
Wenn Indien die Kohle für eine fast 100-prozentiges Elektrifizierung hat, dann hat da auch Deutschland.
Da man Geld nur einmal ausgeben kann, ist immer die Frage wo es den "meisten Nutzen" bringt. Es gibt durchaus Gründe warum in Schaffhausen der Trollybusbetrieb zum Dezember 2025 eingestellt wurde und durch einen Akku-/E-Bus Betrieb ersetzt wurde, denn der ist deutlich günstiger, wie die Oberleitung in Stand zu halten und neue Trolleybusse zu beschaffen.