Feuergefahr durch E-Bikes und sonstige E-Fahrzeuge

Eine häufige Brandursache sind Kippen, die im Müll auf den Gleisen landen. Da sieht dann so aus: Am Gleis der Station sieht man ein Glimmen, man fährt mit der Rolltreppe zur B-Ebene 10 Meter höher, oben kommt bereits die Feuerwehr entgegen und schon ziehen Rauchschwaden die Rolltreppe hoch.
Immerhin, das zeigt schonmal dass die BMA ordnungsgemäß funktioniert (wobei Müll halt auch echt widerlich qualmen kann).
Problem ist halt tatsächlich (gerade in älteren Tunnelanlagen) die schlechte Belüftung, wodurch sich der Rauch schnell ausbreitet und auch erstmal nicht wegkommt.
(Tunnel im Straßenbereich haben i.d.R entsprechende Belüftungsanlagen -> Haken ist, dass bei Fehlen von Rauchabzügen im Bereich der Röhre, der Rauch bis zum Portal gedrückt wird, in der Regel aber in Fahrtrichtung)

Die Haltestellen in KA haben Rauchabzüge und sind daher per se als Rauchfrei anzunehmen, gelten damit als sicherer Bereich und dadurch auch als Angriffs- und Rettungsweg. (Wahrscheinlich ist der Rauchabzug das was in Frankfurt gefehlt hat + das i.d.R. deutlich kleinere Raumvolumen bei älteren Tunnelhaltestellen, KA ist da im Vergleich sehr großzügig)
Da von einem Punkt in der Röhre maximal 300m Entfernung (gem. §30 Abs. 5 BoStrab) zum nächsten sicheren Bereich liegen dürfen (-> also max. 600m zwischen zwei Sicheren Bereichen), braucht es in KA keine separaten Rettungsstollen (die Entfernung zwischen den Haltestellen liegt im Schnitt zwischen 400 und 500m), die Notgehwege auf dem Bankett reichen also aus (Mindestbreite ist aber immer 1,20m).
Zur Belüftung sagt die BoStrab ansonsten folgendes:
Reicht in Tunneln der Luftaustausch über Haltestellen, Tunnelmündungen und Notausgänge nicht aus oder sind Belästigungen der Fahrgäste durch Luftschwall zu erwarten, sind zusätzliche Maßnahmen zu treffen. (§30 Abs. 9 BoStrab) -> Ob und wie das in KA der Fall ist, kann ich nicht beurteilen.
(Gab dazu kürzlich nen passenden BNN-Artikel, hat da jemand Zugriff?)

Bei einer Räumung im Tunnel haben wir das Problem, dass - genau wie in notgelandeten Flugzeugen - jede Menge Leute unbedingt ihr Gepäck mitschleppen wollen und damit andere Personen aufhalten.
Das Problem gibts bei jeder Evakuierung. In der Schule wollen alle noch den Rucksack mitnehmen, im Büro die Aktentasche und das MacBook, im Theater würden wahrscheinlich alle noch gerne zur Garderobe.
Erschwerend bei den Stadtbahnen ist ja auch noch dass die Fahrer i.d.R. auf sich allein gestellt sind und wie schon erwähnt wurde auch die Fahrgäste meistens nicht wissen was zu tun (Ob Hinweise wirklich was bringen? Die meisten lesen sie nicht, schon gar nicht wenns schnell gehen muss). Und auch das Risiko einer Massenpanik bleibt nicht aus (wie an allen stark frequentierten öffentlichen Orten). Größter Risikofaktor ist und bleibt schließlich der Mensch.


Exkurs:
Straßen- und Eisenbahntunnel haben ab einer bestimmten Länge separate Rettungsstollen und alle paar Meter nen Notausgang in diesen Stollen. Ein Zweiröhrenkonzept erlaubt außerdem die Verwendung der zweiten Röhre als Angriffs- und Rettungsweg*.

*-> bei der VDE 8 und allen nachfolgenden SFS hat man die Feste Fahrbahn im Tunnel mit Bodenplatten ausgelegt, dass reguläre Straßenfahrzeuge reinfahren können, bei Nürnberg-Ingolstadt sind die Rettungsstollen so ausgebaut, dass LKWs sie befahren können. So können in beiden Fällen Einsatzfahrzeuge bis zum Schadensort vordringen - bei den SFS Erfurt-Leipzig, Wendlingen-Ulm und Nürnberg-Ingolstadt sogar ohne dass man durch ne verrauchte Röhre muss -> Dank dem Selbstrettungskonzept kauft die DB für die nach 1991 eröffneten Strecken auch keine Rettungszüge mehr.

Lesestoff dazu:
EBA-Richtlinie für Bahntunnel: https://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/pdf/BMVBW-34-0001-KF-001-A001.pdf
§30 BoStrab: https://www.gesetze-im-internet.de/strabbo_1987/__30.html
Für Straßentunnel gibt es verschiedene Regelwerke, kriegt man beim BASt zum Download:
https://www.bast.de/DE/Publikationen/Regelwerke/Regelwerke_B_node.html

An der Stelle sei gesagt: Je älter eine Tunnelanlage, desto gefährlicher ist sie im Brandfall.
 
Mindestbreite im BOStrab-Tunnel ist leider nur 70 cm
Uff... Da krieg ich Ausschlag wenn ich das lese... Aber bestätigt meine Befürchtung, das Bankett konnte nie 1,20m sein.
+ regulatorisches Schlupfloch: Sicherheitsraum ist nicht gleich Fluchtweg, und die BOStrab ist dahingehend tatsächlich sehr schwammig formuliert.
Interessanterweise wurden alle anderen Regelwerke (z.B. vom EBA bezüglich Tunnelrettung, aber auch Landesbauordnungen und Versammlungstättenverordnung) an die neuen Vorrausetzungen und Standards bezüglich Fluchtwegen angepasst, nur die BOStrab hat man wohl vergessen.
Selbstrettung von Rollis fällt also aus
Ist auch so schon ne schwierige Sache... Allein durch den Höhenunterschied etc. ist ne Selbstrettung nur mit Hilfe anderer Fahrgäste möglich
 
nur die BOStrab hat man wohl vergessen.
Nach dem "Ergebnis" der Petition bin ich mal beim Googlen auf eine Ausschreibung zu einer Studie gestoßen, aber nie auf Ergebnisse ...
Allein durch den Höhenunterschied
Ursprünglich wurden die Notgehwege sogar mit niederflurgerechten Höhen geplant, nur waren sie in 2 von 4 Regeplquerschnitten zu nahe dran ... "Lösung": alle niedriger machen ...
 
Worin unterscheiden sich die E-Roller und die E-Bikes von den normalen Fahrradfahrern, die sich in Bahnen quetschen?
Am Ende ist es doch auch wieder der Nutzer, nicht das Fortbewegungsmittel.

Ich finde einfach diese häufig anzutreffende generelle Ablehnung gegen beides problematisch. Studien z.B. aus der Schweiz haben gezeigt, dass Fahrer von E-Bikes öfter/weiter fahren als normale Fahrradfahrer, was doch für viele eine Verbesserung der Gesundheit darstellt und Autofahrten verringert (eigenes Beispiel: hier im Gebirge fährst du, wenn du nicht sehr durchtrainiert bist, nicht mit dem Fahrrad 10 km zum Einkaufen. Aber mit dem E-Bike geht das).
Beim Argument des geringer werdenden Autoverkehrs stimme ich dir zu, deswegen finde ich E-Bikes persönlich auch eine tolle Sache. Beim Argument mit der Gesundheit muss man aber anmerken, dass der Effekt bei einem normalen Fahrrad schon deutlich größer ist (obwohl E-Bike natürlich weiterhin so viel besser als Autofahren ist, auf ganz ganz vielen Ebenen)

Und dazu warum die sich beim in die Bahnen quetschen unterscheiden: Mit dem E-Bike hat man praktisch keine Ausrede, da man selbst sehr lange Strecken ohne Anstregung fahren kann. Mit normalem Rad wird es mit zunehmender Distanz für alle nicht so sportlichen etwas schwieriger.
 
Beim Argument des geringer werdenden Autoverkehrs stimme ich dir zu, deswegen finde ich E-Bikes persönlich auch eine tolle Sache. Beim Argument mit der Gesundheit muss man aber anmerken, dass der Effekt bei einem normalen Fahrrad schon deutlich größer ist (obwohl E-Bike natürlich weiterhin so viel besser als Autofahren ist, auf ganz ganz vielen Ebenen)

Und dazu warum die sich beim in die Bahnen quetschen unterscheiden: Mit dem E-Bike hat man praktisch keine Ausrede, da man selbst sehr lange Strecken ohne Anstregung fahren kann. Mit normalem Rad wird es mit zunehmender Distanz für alle nicht so sportlichen etwas schwieriger.

Bzgl. des Gesundheitseffekt: Das ist ja genau das, was z.B. die Schweizer sagen: Der Effekt der Unterstützung durch den Motor wird kompensiert davon, dass man länger fährt und mehr Höhenmeter dabei zurücklegt.

Hier ein Link: https://oce.ovid.com/article/00042752-201805000-00002/HTML

Bzgl. des in die Bahn quetschen: Wie ich gesagt habe, das ist ja eher das Verhalten des Nutzers. Und wir sollten nicht vergessen, dass isb. wenn es um Freizeitverkehr geht, rechnet man auch als E-Bike-Fahrer mit dem ÖPNV und plant z.B. nur eine (dafür weitere) Strecke mit dem Rad hin oder zurück zu fahren.
 
Zurück
Oben